Aufmerksame Brohlerinnen bringen Trickbetrüger zur Strecke

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Aufmerksame Brohlerinnen

Solche Nachbarinnen wünscht man sich: Aufmerksame Brohlerinnen bringen Trickbetrüger zur Strecke

Es ist der letzte Samstag im Advent 2016. So kurz vor Weihnachten sind viele Menschen in einer besinnlichen Grundstimmung und besonders spendenfreudig. Das ist erfreulich und gut so – aber das wissen auch die Gauner!

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Mehr als sonst sind sie in diesen Tagen unterwegs und halten Ausschau nach Opfern, deren Herzensgüte oder Hilflosigkeit sie perfide ausnutzen können. Mit solchen oder ähnlichen Motiven streift an besagtem Samstagmittag ein 36-jähriger Mann durch die Straßen von Brohl-Lützing und klingelt an diversen Türen. Für den Fall, dass die „Richtigen“ die Tür öffnen, hält er einen Zettel bereit, der die Geschichte eines leukämiekranken Kleinkindes erzählt. Ist selbst diese Geschichte schon erfunden, geht es dem 36-Jährigen ohnehin nicht um Spenden, sondern sie dient ihm lediglich zur Gesprächseröffnung.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ durchschaut das auch Bozena Zander-Pawlikowska sofort als der Mann gegen 13.00 Uhr bei ihr klingelt und sie anbetteln will. Mit nachdrücklicher Wortwahl kann sie ihn von ihrem Grundstück verweisen.

Aber hier endet die Geschichte nicht, hier beginnt sie erst. Frau Zander-Pawlikowska weiß, dass in der Nachbarschaft ein Senior wohnt, der schwerhörig ist und unter fortschreitender Demenz leidet. Das ideale Opfer!
Als sie beobachtet, wie der unbekannte Fremde tatsächlich bei dem 88-Jährigen klingelt, zögert sie keinen Moment, ruft die Polizei an und schildert die Situation. Anschließend läuft sie selbst rüber zum Nachbarhaus um zu retten was zu retten ist.

Zeitgleich und unabhängig davon hat eine weitere Anwohnerin bei dem Blick aus dem Fenster ebenfalls beobachtet, wie der Fremde bei dem betagten Nachbarn klingelt und sich nach kurzem Wortwechsel gewaltfrei aber nachdrücklich an diesem vorbei in die Wohnung drängt. Frau Hellenthal ist sofort klar, dass ihr Nachbar dem Fremden aufgrund seiner körperlichen und geistigen Verfassung nicht gewachsen ist und sich in Gefahr befindet.
Kurz hintereinander treffen die beiden Damen bei ihrem Nachbarn ein und bekommen gerade noch mit, wie der Unbekannte sich auf dem Weg nach draußen an ihnen vorbei schiebt und schnellen Schrittes das Weite sucht.

Der Senior ist sichtlich von der Situation überfordert und weiß nicht, wie ihm geschehen ist. Nach wenigen Sätzen mit ihm wird klar, dass der ungebetene Gast trotz der Kürze der Zeit das Bargelddepot seines Opfers aufgespürt und ausgeräumt hat. 

Nachbarinnen geben Täterbeschreibung durch

Die Nachbarinnen kümmern sich nicht nur um den verstörten Senior, sondern geben auch die neuen Informationen an die Polizei weiter – vor allem eine Beschreibung des Täters! 

Tatsächlich wird eine der noch in der Anfahrt befindlichen Streifenbesatzungen im Stadtgebiet von Bad Breisig auf einen Mann aufmerksam, der der über Funk durchgegebenen Beschreibung entspricht. Dieser versucht zwar bei Erkennen der Polizei noch abzutauchen, kann aber schnell gestellt und überprüft werden. Bei seiner Durchsuchung stoßen die Beamten u.a. auf 1.000 Euro Bargeld – und zwar genau in der markanten Stückelung, wie es bei dem 88-Jährigen kurz zuvor verschwunden ist!

 

In vorliegendem Fall findet der erfreuliche Verlauf noch eine Fortsetzung: Der 36-jährige Rumäne ist erst zwei Wochen zuvor aus der Haft entlassen worden – auf Bewährung und mit einschlägigen Vorstrafen! Diese Begleitumstände werden ihm bei der Vorführung vor den Haftrichter am nächsten Tag zum Verhängnis; der Mann hat seither wieder einen staatlich finanzierten Wohnsitz.

Ein ebenso schönes wie anschauliches Beispiel dafür, wie wichtig aufmerksame Mitmenschen im sozialen Umfeld sind und mit welch vergleichsweise geringem Aufwand und vor allem ohne Eigenrisiko(!) man die Polizei bei der Überführung und Festnahme von Straftätern unterstützen kann.

In dem Wissen, dass solche realen Geschichten aus dem eigenen Umfeld viel nachhaltiger im Gedächtnis bleiben als umfangreiche aber irgendwie doch abstrakte Präventionsempfehlungen soll diese positive „Weihnachtsgeschichte“ gerne weitererzählt werden.

Bürgerurkunde

Für ihr beispielgebendes Verhalten haben die beiden aufmerksamen Nachbarinnen dieser Tage bei der Polizei in Remagen die Bürgerurkunde des Polizeipräsidenten in Empfang nehmen können. Bescheiden erzählten sie bei einer Tasse Kaffee, dass das alles doch selbstverständlich sei und jeder andere an ihrer Stelle auch so gehandelt hätte. Dem ist aber leider nicht so, wie man nicht nur bei der Polizei weiß.

Angereichert war die Urkunde aus dem Polizeipräsidium mit einem bunten Frühlingsgruß, den die beiden Damen sichtlich erfreut mit nach Hause nahmen.

Pressemeldung PI Remagen

Foto: Vorn links Frau Doris Hellenthal, rechts daneben Frau Bozena Zander-Pawlikowska.
Dahinter von links nach rechts: Ralf Schomisch (Leiter PI Remagen), Polizeioberkommissar Stefan Müller (einer der seinerzeit eingesetzten Beamten) und Polizeidirektor Gerd Bertram (Leiter der Polizeidirektion Mayen)

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