Der Dreißigjährige Krieg in unserer Region

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Hans Jüchtern über den Dreißigjährige Krieg in der Region
Hans Jüchtern vom Denkmalverein Sinzig referierte im Schloss über den Dreißigjährigen Krieg. Foto: Denkmalverein

Der Dreißigjährige Krieg in unserer Region

Soldaten brachten Unglück – mit und ohne Kampfhandlungen
Hans Jüchtern referierte beim Denkmalverein über die Folgen des Dreißigjährigen Krieges in der Region
Sinzig. Was war los im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) in unserer Region?  Darüber ist gemeinhin nicht viel bekannt, auch deshalb folgten zahlreiche Zuhörer der Einladung des Fördervereins Denkmalpflege und Heimatmuseums in das Sinziger Schloss. Vereinsmitglied Hans Jüchtern hatte zu diesem Thema für das „Turmgespräch im Schloss“ Fakten, zeitgenössische Berichte und Ergebnisse der Forschung  zusammen getragen und damit Licht ins Dunkel einer Epoche gebracht, die für extrem düstere Zeiten steht.

Tatsächlich waren die Zeit dieses Krieges, in dem katholisch und evangelisch orientierte Königs- und Fürstenhäuser um die Vorherrschaft in Mitteleuropa rangen, eine düstere Zeit – allerdings nicht  immer. Jüchtern berichtete vom Herzogtum Jülich-Berg, zu dem Sinzig und Remagen sowie einige  angrenzende Orte gehörten, von einer relativen Ruhe in den ersten zehn Jahren. Das lag an der Politik des Jülicher Herzogs, Wolfgang Wilhelm von Pfalz Neuburg, der über die ganze Zeit versuchte  neutral  zu bleiben. Das gelang ihm nur zeitweise,  vor allem gelang es nicht, den Aufenthalt von Truppen beider Parteien im Herzogtum zu verhindern.  Einquartierungen waren ein permanentes  Kriegsleid für die Städte und Dörfer. Wenn in einer Stadt wie Sinzig mit 1000 Einwohnern  1000 Soldaten für Wochen und Monate blieben, hieß das große Not für die Bevölkerung, denn die Frage, ob sie selbst ihr tägliches Brot hatten, interessierte die Soldateska nicht.

In dem zweiten Jahrzehnt des Krieges bekamen auch die Orte am Rhein Kampfhandlungen zu spüren, in den letzten zehn Jahren, vor allem ab 1640, entwickelte sich überall der Kriegshöhepunkt.  Dennoch, so Jüchtern, lag der hiesige Raum eher im Windschatten der Geschichte, in anderen Regionen, zum Beispiel in Brandenburg und in Süddeutschland, war es noch schrecklicher und böser zugegangen.

Sinzig hatte die erste Berührung mit Soldaten 1621, als spanische Truppen durchzogen. 1632 kamen die Schweden, in der Folge spanische, französische und kaiserliche, 1640 und 1642 wieder Spanier und dann Franzosen und auch kaiserliche Truppen. Die Bedrohung war allgegenwärtig. Wie unterschiedlich der Umgang mit heranziehenden Truppen ausgehen konnte, zeigt ein Vorfall. Sinzig öffnete den kaiserlichen Soldaten schweren Herzens die Tore, Breisig wehrte sich, woraufhin alle bewaffneten Bürger erschlagen wurden.  Ahrweiler wurde 1646 von französischen Truppen geplündert, ebenso Heimersheim.

Auch wenn es ohne Totschlag und Zerstörung  abging,  waren doch die Kontributionen genannten Abgaben – die Bezahlung für Gewaltverzicht – sehr hoch. Wurden sie nicht erfüllt, folgte ein Brandschatzung genannter Raubzug.  Es spielte übrigens keine Rolle, auf welcher Seite ein Herzogtum stand oder ob es neutral war. Alle Truppen verheerten die Regionen Verbündeter genauso wie die der Feinde.  Dazu kamen „friedliche“  Einquartierungen und die Winterlager – im Winter wurde nicht gekämpft -, wobei es hier allerdings disziplinierter zuging.

Jüchtern, dessen detaillierten Ausführungen das Publikum sehr interessiert und aufmerksam folgte, stellte auch den überregionalen Zusammenhang her.  So geht die Forschung davon aus, dass 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung in diesem Krieg umgekommen sind. In Sinzig und Remagen sprechen die Zahlen für 15 Prozent. Dabei spielte auch die Pest ab 1630 und andere Seuchen eine Rolle. Die Menschen verarmten völlig, rund 370.000 Söldner kamen nicht mehr nach Hause zurück. Und die Staaten und Fürstentümer hatten sich so hoch verschuldet, dass sich eine große Finanzkrise entwickelte. Noch Jahrzehnte nach dem Westfälischen Frieden von 1648 litten die beteiligten Staaten unter der Last der im Krieg aufgenommenen Schulden und gaben den Druck nach unten weiter. Dazu dauerte es nicht lange, bis weitere Kriege die Menschen drangsalierten. Auch im Windschatten der Geschichte war es eine düstere Zeit für Sinzig und Umgebung, wenn es auch anderswo noch düsterer war.

Vorsitzender Karl-Friedrich Amendt dankte Hans Jüchtern für seine hochinteressanten Ausführungen zu einer Epoche, die auch hier in der Region eigene Geschichten kennt. Sein Beispiel passte gut zur  nächsten Veranstaltung des Denkmalvereins am Samstag, 8. April, einer Exkursion nach Oberwinter. Die evangelische Kirchengemeinde dort wurde nicht nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs aufgehoben, sondern besteht fort bis heute.     

Mitteilung des Fördervereins Denkmalpflege und Heimatmuseum in Sinzig

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