Turmgespräch im Schloss: Frauen am Limes

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Turmgespräch im Schloss: Frauen am Limes
Achim Habbel heißt die römisch gewandete Stine Kockrick willkommen. Foto (Denkmalverein)

Turmgespräch im Schloss: Frauen am Limes

Die Frauen am Limes arbeiteten, aber kämpften nicht
Achim Habbel referiert beim Turmgespräch im Sinziger Schloss über ein selten beleuchtetes Thema
Sinzig. Oft kann der Verein zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig für sein „Turmgespräch im Schloss“ auf Kenner unter seinen Mitgliedern zurückgreifen. So berichtete Referent Achim Habbel, den der Vereinsvorsitzende Hardy Rehmann vorstellte, diesmal über den Limes und speziell „Die Frauen am Limes“.

Der Informatiker und Betriebswirt, ein von der Deutschen Limeskommission ausgebildeter Limes-Cicerone (Gästeführer), schilderte den Verlauf des Limes, der nach der Eroberung Galliens durch Caesar zur Sicherung der Reichsgrenzen ab dem 1. Jahrhundert nach Christus gegen die Einfälle germanischer Stämme entstand. Das mit 550 Kilometern Länge und 120 Kastellen heute längste Bodendenkmal Europas wurde nach Ausbauphasen verschieden mit Kastellen, Wachtürmen, Mauern und Palisaden gesichert, wobei die Befestigungen im Süden stärker ausgeprägt waren als im Norden.

Durch Rheinland-Pfalz verlaufen 75 Kilometer des Limes. Der obergermanische Limes beginnt bei Rheinbrohl, der raetische Limes bei Schwäbisch-Gmünd. Er endet nahe Regensburg bei Hienheim an der Donau. Seit 2005 gehört der Obergermanisch-Raetische Limes zum Welterbe. Zusammen mit dem Hadrianswall in Großbritannien bildet der Limes die Welterbestätte „Grenzen des Römischen Imperiums“. Es läuft der Antrag, auch den Niedergermanischen Limes, natürliche Flussgrenze von der Nordsee bis zur Vinxtbachmündung bei Brohl am Rhein entlang, ins Weltkulturerbe einzubeziehen. Habbel begrüßt, „dass das, was damals die Menschen getrennt hat, heute zum Länder verbindenden Gedanken wird“.

Zwar mussten immer wieder Angriffe abgewehrt werden, doch auch der Limes bedeutete nicht nur Trennung. Vielmehr betrieben Römer und Germanen einen regen Handel. Die Germanen fragten etwa Töpferware nach und die Römer waren an Bernstein sowie blondem Germanenhaar für Perücken der Römerinnen interessiert.

Um einzelne Aspekte zu vertiefen und lebendiger zu gestalten, unterbrach Habbel seinen Vortrag und ließ Meik Stiegler antike Texte vortragen, so auch bei den Rechten der Frauen im römischen Reich. Sie waren bereits besser gestellt als die Griechinnen, wenn sie auch nicht das Wahlrecht und keine eigene Vermögensverwaltung besaßen. Das Ideal der römischen Frau haben Grabsteine als fleißig, züchtig und fromm gepriesen. Münzen werfen ein Licht auf berühmte Römerinnen wie Livia, Agrippina die Ältere oder Agrippina die Jüngere, Mutter des Kaisers Nero und Gründerin Kölns. Auf viele Belege kann sich auch das Thema römische Mode stützen. Eine schöne Überraschung bot da die passend gewandete Stine Kockrick aus Limeshain, die auf Wunsch des  Publikums in römischer Kleidung vortrat.

Dass die Römer Hygiene groß schrieben, Zahnpflege, Haarentfernung unter den Achseln und an den Beinen betrieben und die Römerinnen es liebten, den Frisurenstil häufig zu wechseln, machten wiederum detaillierte Zitate des antiken Schriftstellers Ovid deutlich. Im römischen Mutterland waren Frauen vor allem Hausfrauen und Mütter. Für die Heim- und Hofarbeit gab es Sklavinnen. Aber Frauen des „Mittelstandes“ waren auch Ärztinnen und übten gerne den Beruf der Hebamme aus. Andere gingen Tätigkeiten im Handwerk nach. Sogar Gladiatorinnen hat es gegeben.

Zuletzt erst ging Habbel auf die Frauen am Limes ein. Sie waren anwesend, aber keineswegs Kämpferinnen, wie der Redner vorab betonte. Stattdessen wurden die Wachtürme am Limes ausschließlich von Auxiliarverbänden, Hilfstruppen, besetzt. Diese Soldaten erhielten nach 25 Jahren Dienstzeit das  Bürgerrecht. Bis dahin sollten sie nicht heiraten. Dennoch lebten sie in eheähnlichen Beziehungen und hatten Kinder. Trotz der nicht legalisierten Verhältnisse erwähnten sogar ihre Militärdiplome die „Familienmitglieder“. In den Kastellen selbst gab es keine Frauen, mit Ausnahme des Kommandanten, der mit seine Familie im Wohnhaus lebte. Am Limes entlang entstanden im unmittelbaren Hinterland zivil verwaltete Kastelldörfer und Landgüter. In den Siedlungen Frauen arbeiteten in Gaststätten, wobei der Grat zum horizontalen Gewerbe schmal war. Sie waren außerdem Händlerinnen und in Handwerksbetrieben tätig.

Für den lehrreichen, spannenden Vortrag dankte der Vereinsvorsitzende Rehmann dem Referenten. Zugleich wies er auf die nächste Exkursion des Vereins hin. Sie verfolgt wiederum „Römer-Spuren“, so heißt ein Projekt von sieben Kultureinrichtungen, darunter das Sinziger Heimatmuseum. Die Fahrt geht am 30. März nach Rheinbrohl zum Projektteilnehmer „Römer-Welt“. Die Führung beginnt um 14 Uhr. Mitfahrgelegenheiten ab Schloss Sinzig gibt es um 13.15 Uhr. Anmeldungen nimmt Agnes Menacher unter Tel.: 02642-3406 entgegen.

 

Pressemeldung Denkmalverein Sinzig
Foto: Denkmalverein

 

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