Ausstellung im HeimatMuseum Schloss Sinzig mit Kurt Roessler und Rolf Stolz

188
Museumsleiterin Agnes Menacher (r.) begrüßt die Vernissage-Gäste im Schloss, besonders die Künstler Rolf Stolz  und Professor Roessler (erste Reihe, 2. u. 3. v. l.) Foto: Denkmalverein ((honorarfrei))
Museumsleiterin Agnes Menacher (r.) begrüßt die Vernissage-Gäste im Schloss, besonders die Künstler Rolf Stolz  und Professor Roessler (erste Reihe, 2. u. 3. v. l.) Foto: Denkmalverein ((honorarfrei))

Rheinland im Blick: Gefüge aus Text und Bild neben Fotoarbeiten

Sinzig. Dieser Strom hat schon viele Künstlerlinnen und Künstler zum Schaffen angeregt – der Rhein fasziniert immer wieder neu. So auch Kurt Roessler und Rolf Stolz vom Kunstverein „Kunstgeflecht“ in der jetzt im HeimatMuseum Schloss Sinzig eröffneten Ausstellung „Lyrische Landschaften“. Eine „Lyrische Landschaft“ ist für Roessler „ein Integrationsort“, der eine tatsächliche Landschaft mit ihrer Überhöhung und Interpretation in der Kunst „zu einem Ganzen verschmilzt“. Das betonte auch Bernd Hänschke, Vorsitzender des Kunstvereins und Festredner bei der Eröffnung. „Wir sehen den Rhein als Sinnbild für das auf- und abschwellende Ungreifbare des Schöpferischen“.
Regelrecht greifbar jedoch wurde der Strom, als Festredner Nikolaus Gatter, Vorsitzender der Varnhagen-Gesellschaft, die Rheinreisen des deutschen Chronisten Karl August Varnhagen von Ense (1785-1858) lebendig aufscheinen ließ. Dieser hatte mit klarem und trotz Zuneigung zum Rheinland kritischen Blick die Region beschrieben. Übrigens stritt man sich schon damals um ein neues Beethovendenkmal, ganz wie heute…
Musikalisch begrüßten Sonja Asselhofen am Cello und Michael Hänschke am Klavier, in Worten tat es die Erste Beigeordnete der Stadt Sinzig Charlotte Hager und   Museumsleiterin Agnes Menacher.
Wissend um Historie und Kulturgeschichte der Landschaft, gibt Roessler seine Interpretationen vielschichtig wieder. Als einfallsreiche Text-Bild-Gefüge in Aquarell und Tusche, so dass sein Kölner Dom auf einem Gedicht Apollinaires fußt. Gleichsam verflüssigter Drucksatz bringt das Poem „Milchstraße“ zur Anschauung, und lokale Beiersprüche, zum rhythmischen Glockenanschlagen ersonnen, fließen in Zeichnungen vom Vorgebirge ein. Inhaltlich sehr anspruchsvoll und ohne Erläuterung nicht nachvollbar sind jene vier Blätter mit Siebengebirgssilhouette und Dichterzeilen, die Roessler den Juden auf der Wolkenburg widmete. Um Ausschreitungen gegen sie vorzubeugen, überließ ihnen die Obrigkeit im Jahr 1146 die Wolkenburg zur Selbstverteidigung.

Unmittelbarer, weil ganz dem Hier und Jetzt entrissen, erschließen sich die Foto-Arbeiten von Rolf Stolz. Der Dom, gewollt verpixelt im Abendrot, urbanes Abendleuchten von Leverkusen, beste Kumpels aus Köln-Mülheim, sind ebenso Motive wie die Liebesschlösser von der Hohenzollernbrücke und zwei, im Venenschonmodus sich der Sonne hingebende ältere Damen. Trauriges, Überraschendes und Heiteres halten sich die Waage. Das Leben will gelebt werden, scheint Stolz zu verkünden, und zwar in all seinen Zwischentönen.

Die Ausstellung ist bis 26. August geöffnet, donnerstags von 10 bis 12 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Foto: Museumsleiterin Agnes Menacher (r.) begrüßt die Vernissage-Gäste im Schloss, besonders die Künstler Rolf Stolz  und Professor Roessler (erste Reihe, 2. u. 3. v. l.) Foto: Denkmalverein ((honorarfrei))

Anzeige
. . .

Anzeigen im Schaufenster