Bagatell-Alarmierungen belasten DRK-Rettungsdienst

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Bagatell-Alarmierungen belasten DRK-Rettungsdienst

Bagatell-Alarmierungen belasten DRK-Rettungsdienst

Viele Bürger kennen den Unterschied zwischen Ärztlicher Bereitschaftspraxis und Rettungsdienst nicht
Kreis Ahrweiler. Der Rettungsdienst vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Kreis Ahrweiler arbeitet seit einiger Zeit am Limit. Die Einsatzzahlen des DRK-Rettungsdienstes sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Das allein wäre nicht unbedingt problematisch. Die Rettungskräfte klagen allerdings über die ständig steigende Anzahl an Bagatelleinsätzen. Diese belasten das Rettungssystem unnötig und gefährden schlimmstenfalls sogar das Leben von Notfallpatienten.

Fast stündlich rückt einer der sechs Rettungswagen (RTW) im Kreis Ahrweiler aus, um fachgerechte und schnelle Notfallhilfe zu leisten. Bei jedem zweiten Einsatz ist sogar ein Notarzt dabei. Immer öfter aber müssen die engagierten Retter feststellen, dass deren Einsatz, der häufig unter Verwendung von Blaulicht und Martinshorn stattfindet, eigentlich nicht notwendig ist. „Der bundesweite Trend, den Rettungsdienst für Bagatellen außerhalb der Praxisöffnungszeiten der Hausärzte in den Abendstunden oder am Wochenende zu rufen, ist mittlerweile auch im Kreis Ahrweiler angekommen“, sagt DRK-Rettungsdienstleiter Lothar Backes.

Die Gründe für die steigende Zahl der Bagatelleinsätze sind dabei sehr unterschiedlich. Patienten mit bekannter Migräne rufen den Rettungsdienst in der Erwartung, ein Schmerzmittel zu erhalten, das eigentlich der Hausarzt verschreiben kann. Transporte in ein Krankenhaus zu weiteren Untersuchungen werden aber abgelehnt. Andere Patienten mit bekannten chronischen Erkrankungen nehmen aus dem Rettungsdienst unbekannten Gründen ihre Medikamente nicht ein. Fast tägliche Einsatze bei diesen Personen sind die Folge. Alle Belehrungen des Rettungsdienstes zur Notwendigkeit der Medikamenteneinnahme werden missachtet. Der wohl kurioseste Bagatelleinsatz der jüngsten Zeit ist wohl der eines Mitbürgers, der einen nächtlichen Rettungsdiensteinsatz aufgrund zu viel gegessener Bohnen ausgelöst hat. Aufgrund daraus resultierender Verdauungsprobleme meinte die Person, dass eine dringende Abführung erforderlich sei.

Solche Situationen verursachen ganz ungewollt im Unterbewusstsein Stress, der wiederum ernstzunehmende gesundheitliche Probleme auslösen kann. „Unsere Mitarbeiter sind engagiert und motiviert für die Notfallpatienten im Einsatz. Die zusätzliche Belastung durch Bagatellen hingegen muss, auch im Sinne des Gesundheitsschutzes unserer Mitarbeiter, eingedämmt werden. Allein im Einsatzgebiet unserer Rettungswache Remagen, zuständig für die Rheinstädte Remagen, Sinzig und Bad Breisig mit allen Ortsteilen, wurde unser Rettungsdienst im Jahr 2017 zu rund 400 solcher Bagatelleinsätze gerufen. Das sind längst keine Einzelfälle mehr“, nimmt DRK-Kreisgeschäftsführer Frank Trömel sein Rettungsfachpersonal in Schutz. Und es ist keinesfalls ein spezifisches Problem der Rheinregion. Auch die vier weiteren DRK-Rettungswachen im Ahrkreis bewältigen immer wieder Bagatelleinsätze. Einsätze, die letztlich die vorhandenen Rettungskräfte und –fahrzeuge unnötig binden und Notfallpatienten aufgrund längerer Hilfsfristen durch belegte Fahrzeuge lebenswichtige Minuten kosten können. So stellen die Retter während solcher Einsätze nicht selten fest, dass zeitgleich Rettungsfahrzeuge entfernterer Rettungswachen mit entsprechend längerer Anfahrt zu Notfällen im eigenen Einsatzgebiet gerufen werden müssen.

Leider lassen sich die exemplarisch geschilderten Fälle nicht bereits in der Leitstelle aussortieren. Bei der Notrufannahme werden persönliche Befindlichkeiten oft so dramatisch dargestellt, dass letztlich erst die Rettungskräfte vor Ort feststellen, welche Situation tatsächlich vorliegt.

Krankheiten halten sich natürlich nicht an Öffnungszeiten. Außerhalb der Praxiszeiten der Hausärzte betreibt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) eine moderne und leistungsfähige Ärztliche Bereitschaftspraxis am Krankenhaus in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort bekommt man schnelle und fachgerechte Hilfe bei Infektionen, Erkältungen mit Fieber, Grippesymptomen, Kopf- und Gliederschmerzen, Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, Verdauungsproblemen, Erbrechen, eben bei all dem, womit man eigentlich seinen Hausarzt aufsuchen würde“, sagt Lothar Backes.

Die Ärztliche Bereitschaftspraxis ist über die zentrale Rufnummer 116 117 erreichbar.

Bei akuten Notfällen, wie etwa Bewusstlosigkeit, starken Herzschmerzen, Verdacht auf Schlaganfall und Unfällen mit großen oder stark blutenden Wunden sowie großflächigen Verbrennungen, stehen unsere Rettungskräfte unter der Rufnummer 112 ganzjährig gerne zur Verfügung und werden ihr Möglichstes tun, den Mitbürgern in Not zu helfen“, erklärt Backes.

Pressemeldung DRK