Es gibt viele „Islame“ – Vortrag von Prof. Frembgen

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Es gibt viele „Islame“ - Vortrag von Prof. Frembgen

Es gibt viele „Islame“ – Vortrag von Prof. Frembgen

Eine Reise durch den volkstümlichen Islam in Südasien –
Den Islam gibt es nicht“, so der Einstiegssatz des Münchner Ethnologen und Islamwissenschaftlers Prof. Jürgen Wasim Frembgen am Montag im Katholischen Pfarr- und Jugendzentrum in Remagen. Und: „Zwischen Marokko im Westen und Indonesien im Osten herrscht innerhalb der islamischen Religion eine große Vielfalt von religiösen Strömungen und Praktiken. Was bei uns wahrgenommen wird, ist leider nur allzu oft die allerdings zunehmende gewalttätige Seite eines Islam durch religiöse Fanatiker und natürlich den islamistischen Terror, unter dem jedoch vor allem andersdenkende Muslime selbst am meisten zu leiden haben“, so der Referent. – Es gibt viele „Islame“ – Vortrag von Prof. Frembgen –

Vor vollem Hause untermauerte der Referent seine These im Rahmen einer eindrucksvollen Präsentation mit Film- und Musikausschnitten aus Pakistan und Indien. Frembgen, der seit seinem Studium in Bonn seit 40 Jahren vor allem in Pakistan, aber auch Indien und dem Iran den Spuren des gelebten Volksislam nachgeht, ist einer der weltweit besten Kenner der Volksreligion und der islamischen Mystik, der sich Hunderte Millionen Menschen in den islamischen Ländern zugehörig fühlen.

Unter den misstrauischen Augen der konservativen Gelehrten des Islam und in den letzten Jahren durch terroristische Anschläge verfolgt, lebten diese Menschen ihre Religion vor allem spirituell. Im Filmbeispiel konnte das überraschte Publikum sehen, wie am Grab eines muslimischen Heiligen in Pakistan sich Tausende Muslime mit Musik und teilweise ekstatischen Tänzen aus dem Alltag befreien wollen, um so ihre Nähe zu Gott zu suchen. Hier am heiligen Ort sind Frauen mehr oder weniger gleichberechtigt und niemand zwingt sie in Schleier und Tschador. Sogar Hindus und Christen würden gelegentlich an den religiösen Veranstaltungen teilnehmen und seien hier gerne gesehen.

Lebendig und kenntnisreich berichtete der Hochschullehrer und vielfache Buchautor von seinen mehrmals im Jahr stattfindenden Reisen vor allem nach Südasien. Die Besucher der Veranstaltung, die vom Vorsitzenden des Arbeitskreises für entwicklungspolitische Bildung e.V. (Remagen) als Veranstalter, Prof. Frank Bliss, moderiert wurde, hatten außerdem reichlich Gelegenheit, dem Referenten Fragen zu stellen. Dabei wurde noch einmal deutlich, wie sehr vor allem muslimische Gemeinden selbst unter dem islamistischen Extremismus zu leiden haben. So sei auf das Heiligtum, das Frembgen in einem Filmbeitrag zeigte, nur wenige Wochen später ein Anschlag durch einen Selbstmordattentäter mit Dutzenden von Toten erfolgt, vor allem Frauen und Kinder.

Für die Veranstalter, die den Referenten im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ eingeladen hatten, dankte abschließend Werner Unkelbach auch im Namen der Kolpingfamilie Remagen als Mitveranstalter des Abends Prof. Frembgen und allen Gästen für ihr Kommen und die engagierten Beiträge.

Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung e.V., Remagen
Foto: Privat

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