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Gedenkmonat November

Wenn die Trauer nicht weicht / Wie eine Trauernde lernt, wieder nach vorne zu schauen

Hospiz-Verein Rhein-Ahr macht spezielle Angebote für Trauernde. Gespräche und Treffs für Gruppen und Einzelpersonen sowie Fortbildungen für Multiplikatoren. Wege zurück ins Leben

Kalt und dunkel ist sie, und zu dieser Jahreszeit ziehen sich viele Menschen in ihre Häuser zurück. Dazu kommen die schwermütigen Gedenktage im November und danach womöglich das erste Weihnachten ohne eine bestimmte Person – nochmal eine besondere Herausforderung. Keine leichte Zeit für alle, die den Tod eines lieben Menschen zu bewältigen haben.
Auch außerhalb dieser Jahreszeit fühlen sich viele Trauernde dem eigentlichen Leben entrückt, fehl am Platz, durcheinander, nicht „normal“. So ähnlich fühlte sich auch Elke Dörr-Hosseini: „Es ging auf den ersten Todestag meines Mannes zu, und ich hatte – wohl mit dem klassischen Trauerjahr im Hinterkopf – gehofft, dass sich bis dahin die Trauer anders anfühlt, aber dem war nicht so. Ich war immer noch im Gefühlschaos und hatte gleichzeitig den Eindruck festzustecken.“ Zwar waren da ihre Familie – unter anderem die drei erwachsenen Söhne – und auch Freunde und Bekannte, mit denen sie reden konnte, „aber ich habe auch gemerkt, dass Menschen oft sehr beschämt oder verunsichert angesichts des Themas Trauer sind. Mich wiederum verunsicherte die Dosierung, in der ich darüber außerhalb der Familie sprechen konnte. Ich überlegte, Hilfe eines Psychologen in Anspruch zu nehmen.“ Da riet ihr eine Freundin ihrer Schwester, sich doch ganz niederschwellig zunächst an den Hospiz-Verein Rhein-Ahr zu wenden, der vielfältige Trauerangebote bereit halte.
Elke Dörr-Hosseini ist eine Frau, die sonst mitten im Leben steht, auch im Beruf Verantwortung übernimmt, und entsprechend zügig agierte. „Ich rief beim Hospiz-Verein Rhein-Ahr an und freute mich, dass ich ganz schnell einen Rückruf erhielt.“ Danach stand für die Bad Neuenahrerin fest: Eine individuelle Trauerbegleitung sollte es ein.

Raum, um loszulassen und sich auszusprechen

Schon beim ersten Treffen mit Friederike Kettel von der Koordinationsstelle für Trauer- und Traumabegleitung des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr war ihr klar: „Das ist das und die Richtige für mich.“ Ein Jahr lang trafen sich die beiden Freuen regelmäßig. „Ich habe mich immer gefreut hinzugehen, weil ich wusste: Da ist der Platz, der Raum, wo ich vertrauensvoll über meine Trauer sprechen kann, ohne zu bedenken, was ich meinem Gegenüber zumuten kann. Nun konnte ich ganz loslassen, mich aussprechen.“ Schon die Dinge laut auszusprechen mache einem Vieles bewusster, sagt die 63-Jährige: „Und ich habe besser verstanden, was mit mir passierte, dass Traurigkeit sich unvermittelt in Fröhlichkeit wandeln kann, weil das Leben ja auch weitergeht“.
Eine der für Dörr-Hosseini hilfreichsten Einsichten war, „dass gegensätzliche Emotionen nebeneinander Bestand haben und dass Trauer sehr anstrengend ist, woraus auch die Erschöpfung erfolgt, und, dass Trauer manchmal in Wellenform abläuft: Sie reißt einen manchmal unerwartet mit. Wenn man denkt, jetzt hat man es überwunden, wird man auf einmal wieder zurückgespült.“ Durch die Gespräche beim Hospiz-Verein hat sie ihre Gefühl zulassen, erkennen und sortieren können. „Die mitfühlenden Gespräche haben mich wieder in mein Gleichgewicht gebracht und zum Verständnis meiner Trauer und meiner selbst beigetragen. Darüber hinaus habe ich wieder mehr das Positive gesehen und, was ich schon alles geschafft hatte. Das war ja nicht wenig: All die Formalitäten und die Geschäftsabwicklung nach dem Tod meines Mannes.“ Mehr als 35 Jahre seien sie ein eingespieltes Team gewesen, habe er Tätigkeiten in Haus und Hof, mit dem Auto und der Technik übernommen, um die sie sich nun kümmert. Und es ist ihr gelungen, ihre Blickrichtung zu ändern, neben dem Vergangenen und dem Verlust auch Neues zu sehen, sich aus Starre und Hilflosigkeit zu befreien.

Das Versprechen, nicht aufzugeben

Warum sie sich der Trauer stellte? Zum einen wollte Dörr-Hosseini nicht, dass ihre Kinder sich Sorgen um sie machen. Hauptmotivation aber war das Versprechen, das ihr Mann ihr abgenommen hatte: „Er ist an Krebs gestorben. Das war ein langer Prozess, währenddessen er sagte: ‚Ich möchte, dass du glücklich bist, nach vorne schaust, nicht aufgibst, sondern deine Zukunft gestaltest‘“, so Dörr-Hosseini: „Ich bin auch überzeugt, dass wir eine Verbindung haben und er weiß, was mit mir so passiert. Und ich möchte, dass er stolz auf mich ist.“ Stolz ist sie auch darauf, dass sie sich während der Trauergesprächsphase und darüber hinaus immer neue Aufgaben stellte: Mal alleine ins Restaurant zu gehen, alleine gemeinsame Freunde zu besuchen oder einen Ausflug zu machen, darunter auch einen vom Hospiz-Verein angebotenen Tagesausflug, so Dörr-Hosseini: „Ich kann nur jedem empfehlen, sich in der Trauer an den Hospiz-Verein zu wenden.“

Gespräche, Wanderungen, Workshops

Trauerbegleitungen verschiedenster Art bietet der Hospiz-Verein seit Jahren an: Trauertreffs und Themen-Wanderungen, Seminare und Workshops, Gruppen- und Einzelangebote. Gerade nach der Flutkatastrophe im Ahrtal mit ihren traumatischen und verlustreichen Folgen hat er sein Angebot für Trauernde nochmal erweitert. Er wendet sich auch an Multiplikatoren, also jene, die etwa in Senioreneinrichtungen oder bei Wohlfahrtsverbänden viel mit Trauer umgehen, und er bildet Ehrenamtliche nach den Standards des Bundesverbands Trauerbegleitung (BVT) aus, um sie für Trauerbegleitungen zu befähigen. Gerade erst hat die Vereinsvorsitzende Ulrike Dobrowolny wieder den erfolgreichen Absolventinnen eines entsprechenden Kursus gratuliert. Speziell dafür ist im Vorstand seit Jahren Berta Bauer zuständig, die nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes selbst plötzlich trauernd mit fünf Kindern dastand und viel Erfahrung in der Leitung von Trauertreffs hat: „Vieles kommt in da hoch: Zweifel und Unsicherheiten, Angst, Wut, Ohnmacht und Schuld. Fast jeder fragt sich: Wieso? Warum? Bin ich schuld? Was habe ich unterlassen oder nicht bemerkt?

Die Angebote des Hospiz-Vereins, zu denen auch die Einzelgespräche gehören, dienen dazu, inne zu halten und im geschützten Raum „seine“ Trauer individuell zu bewältigen, sich selbst zu reflektieren und eigene Kraftquellen zu definieren, sagt auch Friederike Kettel, die Trauerbegleiterin von Elke Dörr-Hosseini: „Die Inhalte ergeben sich individuell, und wir schauen bei unseren Trauergesprächen nicht lange zurück, sondern arbeiten lösungsorientiert nach vorne.“ Denn Ziel ist es immer auch, dass die Trauernden sich wieder im Leben zurecht finden, neuen Mut gewinnen und die Welt wieder heller aussieht.

Weitere Infos: 02641/2077969, www.hospiz-rhein-ahr.de.

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