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Hospiz-Verein Rhein-Ahr bietet Auszeit für Senioren an

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Für ein paar Stunden rückt die Flut in den Hintergrund

„Damit du mal wieder etwas anderes siehst“

Überwältigt von der Dimension des Doms stand eine Seniorin vor der Kölner Kathedrale. So groß hatte sie sie nicht mehr in Erinnerung gehabt. „So schön, hier zu sein“ oder „Endlich mal wieder raus“ waren weitere Kommentare, die man an diesem Tag von den Frauen und Männern in ihrem Umfeld oft hörte. Sie alle waren Teilnehmende einer Ausflugsfahrt, die der Hospiz-Verein Rhein-Ahr seit diesem Sommer für flutbetroffene Senioren im Ahrtal zum Selbstkostenpreis von 5 Euro anbietet. 

Bei der Arbeit im Bereich Trauer- und Traumabewältigung haben wir entdeckt, dass vor allen Dingen Senioren bei den Flutereignissen vergessen werden“, erklärt Ulrike Dobrowolny, Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr die Initiative zu den Fahrten. Neben den anderen Angeboten des Vereins soll auch dieses dazu beitragen, Menschen zu helfen, ins Leben zurückzufinden. 

Menschen wie Gilbert Sebastian. Der 86-Jährige lebt derzeit bei seiner Tochter in Ahrweiler, hofft aber bald in sein Heim in Walporzheim zurückzukehren. Seine Tochter war es auch, die von der Ausflugsfahrt in der Zeitung gelesen hatte und ihn animierte mitzufahren, „damit du mal wieder etwas anderes siehst“. Und der Vater gibt ihr recht: „Die Fahrt hat gut getan – sogar trotz der Hitze und des Betriebs in der Innenstadt.“ Und mehr als das, sagt er: „Ich war zwar schon öfter im Kölner Dom, aber die Führung war toll. Sehr unterhaltsam. Und ich habe noch einiges erfahren, was ich so nicht wusste.“ 

Früher war Gilbert Sebastian mit seiner Frau im Dom, aber sie ist nach der Katastrophe im Ahrtal gestorben: „Durch die viele Aufregung und Arbeiterei kam wohl der Krebs zurück, gegen den sie vor Jahren schon angekämpft hatte. Und durch die Flut ist sie lustlos geworden, wollte keine Therapie mehr, keine Bestrahlungen, sondern so Abschied nehmen.“ 

Für Senioren gebe es nun nur noch bedingt Angebote im Ahrtal, und viele in seinem Alter wohnten ja derzeit auch immer noch woanders, sagt er. Selbst beim Stammtisch sehe man viele bekannte Gesichter nicht mehr. „Da muss man wahrnehmen, was einem geboten wird“, sagt er. Gerade auch, wenn man so einfach und günstig die Chance dazu habe. „Kommunikation ist wichtig, wichtiger noch als das Ziel“, sagt Sebastian. Im Café habe er sich bemüht, dass an „seinem“ Tisch nicht nur die Flut Thema gewesen ist, „sondern auch mal ein Spaß gemacht wird“, sagt er und überlegt, ob er im Herbst wieder bei einer der Fahrten des Hospiz-Verein dabei sein darf. 

Das Konzept des Hospiz-Vereins sieht Fahrten in die erweiterte Region vor, die ohne zu lange Busfahrt zu erreichen sind. Am Ziel wird in der Regel eine Sehenswürdigkeit bei einer Führung besucht, gefolgt von einem Austausch in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen.  Dass die Nachfrage groß ist, hat schon die erste „Auszeit für Senioren“ des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr gezeigt: Sie führte nach Koblenz und umfasste auch eine Burgenrundfahrt mit dem Schiff auf dem Rhein. 

Die Hin- und Rückfahrt zum Zielort erfolgt mit einem Reisebus, der an verschiedenen Stationen die Teilnehmenden aufnimmt. Explizit angesprochen sind alle Senioren aus dem Ahrtal. Daher gibt es auch Touren mit speziellen Zustiegsmöglichkeiten etwa an der Ober- oder Mittelahr. 

Organisiert werden diese Touren von Uschi Klapp-Dittmann. Die gebürtige Kölnerin lebt seit mehr als einem Jahrzehnt in Bad Neuenahr-Ahrweiler und hat Erfahrung mit der Organisation von Gruppenreisen und anderen Veranstaltungen. Sie war selbst von der Flut betroffen und freut sich über die Reaktionen der Teilnehmenden bei den bisherigen Fahrten: „Es ist schön zu sehen, wie für ein paar Stunden die Flut in den Hintergrund rückt und auch neue Kontakte geknüpft werden, wo doch so viele Senioren im Ahrtal so viel Verlust zu erleiden haben.“ 

Neben Uschi Klapp-Dittmann fahren immer auch noch weitere ehrenamtliche Begleiter mit: drei Männer und Frauen waren es bei der Köln-Fahrt, die zudem auch alle ausgebildete Hospizbegleiter sind. Klapp-Dittmann wünscht sich, dass sich noch viele Ahrtaler Senioren für eine Teilnahme begeistern, denen der Hospiz-Verein dann einen erbauenden Tag bereiten kann. Ziele gibt es noch genug: Als Nächstes geht es am Mittwoch, 24. August, nach Bendorf bei Neuwied mit Besichtigung von Schloss Sayn sowie Führung durch den dortigen Schmetterlingspark. Weitere Fahrten in diesem Jahr führen nach Königswinter zum Drachenfels, in den Kölner Zoo sowie nach Aachen mit Dombesichtigung. Die genauen Daten sind der örtlichen Presse zu entnehmen.

Weitere Infos bei Uschi Klapp-Dittmann

Mail: koordination.klapp-dittmann@hospiz-rhein-ahr.de

Mobil: 0160 150 80 02 (Anmeldung montags bis donnerstags 9-11 Uhr)

Pressemeldung Hospiz-Verein Rhein-Ahr
Foto: Jürgen Knopp

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