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Nahversorgung statt Naherholung

Gastronomie

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Leserbrief

Nahversorgung statt Naherholung

Auch der neue Bebauungsplan für das geplante NVZ schafft keine Klarheit.
Stattdessen bleiben auch alte Fragen offen, die nach wie vor nicht geklärt wurden. Wie soll die Aufenthaltsqualität auf dem alten Rickgelände gestaltet werden? Wie werden unsere Kinder und Enkel vor der zusätzlichen Lärm- und Feinstaubbelastung in Schulnähe nachhaltig geschützt? Kann die bestehende Infrastruktur das neue Verkehrsaufkommen leisten und sind eine Hand voll Bäume im Jahr 2020 ein schlüssiges Begrünungskonzept?

Nach dem Lesen des Rheinzeitungsartikels vom 31.10.2020 zum Bebauungsplan auf dem Rickgelände mit einem Nahversorgungszentrum tun sich leider die gleichen Fragen auf wie zuvor. Der neue Bebauungsplan und die Offenlegung im letzten Bauausschuss stellt sich letztendlich als die gleiche Idee im neuen Gewand heraus und hinterlässt uns besorgt:

Die Projektplaner des NVZ versprechen, dass einerseits an der Aufenthaltsqualität gefeilt wurde und andererseits das gesamte „Ensemble“ grüner werden soll.

Bei der Vorstellung des Bebauungsplanes hebt Frau Spiess besonders die nun geplante Gastronomie hervor. Das von der Prokuristin benannte bislang „unattraktive Ahrufer“ soll also Mehrwert erhalten durch eine 6 m hohe Betonrückwand von Einzelhandel und Gastronomie.

Macht das wirklich einen einladenden Eindruck auf Touristen, die das Ahrufer als Erholungsraum mit Fahrrad und zu Fuß nutzen? Wir glauben nicht! Nur durch das Pflanzen einiger Bäume wird die Betonwüste aus unserer Sicht nicht grüner und nachhaltiger.

Inwieweit eine Betonfläche mit 5500 qm Verkaufsfläche einen „Ort zum Verweilen“ darstellt, bleibt offen. Hier müsste ein stimmiges und nachhaltiges Begrünungskonzept entwickelt werden! Wir sehen die Projektplaner in der Pflicht, die gesundheitlichen Folgen einer solchen Bebauung angemessen zu berücksichtigen und verweisen zum wiederholten Male, auf die direkte Nachbarschaft zu drei ansässigen Schulen und zwei Kindergärten.

Der Anlieferungs- und Kundenverkehr soll über die stark befahrene Kölner Straße abgewickelt werden. Ob die bestehende Infrastruktur (zwar mit Kreisel) auch dem zusätzlichen Verkehrsaufkommen standhalten kann, bleibt ebenfalls offen.  Wie sieht es mit der Belastbarkeit Ahrbrücke aus und wie soll sich die angespannte Verkehrssituation rund um das Schulzentrum durch den Bau eines NVZ verbessern? Immerhin schicken wir täglich ca. 1500 Kinder und Jugendliche in diesen Ballungsraum.

Was soll eigentlich mit den zurückbleibenden Leerständen und Industriebrachen passieren? Kaum vorstellbar, dass alle einer neuen Bestimmung zugänglich gemacht werden können.

Ist es zwingend notwendig, ein solches Bauvorhaben umzusetzen, damit Aldi und Rossmann ca. 500 m näher ans Stadtzentrum rücken? Insgesamt ist ja anzunehmen, dass die meisten Käufer nicht mit dem Fahrrad oder zu Fuß die Einkäufe aus verschiedenen Märkten nach Hause schleppen, sondern mit dem Auto anfahren. Die fußläufige Einkaufsmöglichkeit kann daher nicht das Argument sein, da die jetzigen Geschäfte vergleichbar gut mit dem Fahrrad zu erreichen sind.

Hier soll jetzt eine Entscheidung getroffen werden, die unsere Kinder und Kindeskinder tragen müssen, denn sie müssen mit der Feinstoffbelastung ihr Leben meistern. Auch die Möglichkeit, an dieser Stelle jungen Familien attraktiven und bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wird hier einfach verspielt! Wie attraktiv will Sinzig für junge Familien in Zukunft sein? Hier kann eine Entscheidung getroffen werden, bei der wir nicht bereit sind, sie aus der Hand zu geben.

Fragen über Fragen und zu wenig Antworten finden wir.

Deshalb fordern wir Naherholung statt Nahversorgung!

Wir lieben Sinzig! Du auch?

Ulrike Michelt, Karin Dörfler
Grafik: Archivbild 2016

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