Flüchtlinge erkunden Dada

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Flüchtlinge erkunden Dada im Arp Museum

Flüchtlinge erkunden Dada und Textiltechniken: Integrationsworkshops im Arp Museum

Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet in Kooperation mit der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr e.V. (ÖFH) und dem Verein Schatzkammer Oberwinter e.V. gleich zwei kreative Integrationsworkshops für Flüchtlinge und Einheimische an – Flüchtlinge erkunden Dada.

Flüchtlinge erkunden DadaIm kreativen, kostenfreien Integrationsworkshop für Frauen werden Handarbeiten gefertigt, traditionelle Textiltechniken anderer Länder ausgetauscht und seltene Muster bestaunt. Dank der finanziellen Unterstützung des Zonta Clubs Bonn kommen Frauen aus aller Herrenländer – aus Afghanistan, Eritrea, dem Iran, aus Syrien und Somalia und natürlich aus Deutschland – miteinander ins Gespräch. Da wird gestrickt und geknüpft. Im Handarbeitskurs entstehen unter der Anleitung von Monika Wegmann-Jung, Sabine Jüttner, Hoda Abu Ola und Franca Perschen Textilwerkstücke, wobei Kursleiterin Monika Wegmann-Jung die internationale Vielfalt beeindruckt: „An jedem Termin wird eine andere Technik ausprobiert und alle können voneinander lernen.“ Spannend wurde es auch für die teilnehmenden Frauen, als sie dank Dr. Annette Krapp, Leiterin der Abteilung Kunstvermittlung, textilen Kunstwerken aus dem frühen 20. Jahrhundert von Sophie Taeuber-Arp, der Ehefrau von Hans Arp, begegneten. Das war Inspiration pur. Ihre Werkstücke können die Frauen dann zuhause ergänzen. Damit dies auch gelingt, bietet der Textilworkshop Zusatztermine in der Schatzkammer Oberwinter zum gemeinsamen Arbeiten an.

Schreibworkshop

Bunt gemischt zeigt sich auch der von Eva Wal geleitete Schreibworkshop. Dort erhalten die teilnehmenden Frauen und Männer Mut und das nötige Rüstzeug, spielerisch und kreativ mit der Sprache umzugehen, egal ob in Deutsch, Englisch oder einer anderen Sprache. Kursleiterin Eva Wal freut sich, dass sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen vom „genius loci“ und der Kunst im Arp Museum inspirieren lassen: „Ob automatisches Schreiben, Dada-Experiment oder klassische Elfchen, wir erkunden und probieren aus. Bei Bedarf können wir unsere Texte künstlerisch gestalten oder mit Zeichnungen ergänzen. Einzige Voraussetzung ist die Freude am Schreiben, generationsübergreifend und multikulturell und das Ganze für Menschen mit und ohne Schreib-Erfahrung.“ Maria Müller von der Ökumenischen Flüchtlingshilfe weiß, wie gut es den Frauen und Männern tut, ein Stück Normalität im Frieden und vor allem Wertschätzung zu erfahren: „Dabei findet sich auch Raum, eigene Erfahrungen von Flucht, Krieg, Verlust und Vertreibung künstlerisch zu artikulieren und über die Kunst von seinen Erfahrungen sprechen zu können.“ Einige dieser in den Landessprachen formulierten Werke wurden anschließend ins Deutsche übersetzt, so auch die beiden Hände im Textkunstwerk „Ihr erstes Gewehr“. Dort ist in zwei Handflächen geschrieben: „Ich habe Angst, ich bin stark, ich werde kämpfen. Meine rosa Welt ist zerstört.“ Und in der rechten Handfläche steht: „Du siehst aus wie meine Tochter. Ich denke jeden Tag an Euch, meine Töchter. Ich halte es kaum ohne Euch aus. Bis bald!“ Dies ist nur eines vieler Beispiele, in denen sich Zerrissenheit dieser Menschen widerspiegelt.

In seiner Zweckfreiheit befreiend ist für die Teilnehmer die Beschäftigung mit Dada, wenn sie im Sinne Hugo Balls mit der Sprache spielen und eigene Dada-Texte und -Gedichte schreiben. So gab es unter der Anleitung von Eva Wal kleine Theateraufführungen mit selbst hergestellten Verkleidungen. Schon beim Basteln der Masken kam Freude auf. „Dada hat Schwingen, die gewaltiger als hundert Urwälder sind“, diesem Satz Hans Arps können alle Teilnehmer zustimmen.