Hans-Georg Klein sprach beim Denkmalverein Sinzig

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Rivalität in der „Bindestrich-Stadt“
Hans-Georg Klein sprach beim Denkmalverein Sinzig über das Verhältnis zwischen Ahrweiler und  Bad Neuenahr
Sinzig. Wie hat es eigentlich angefangen, das komplizierte Verhältnis zwischen den Stadtteilen Ahrweiler und Bad Neuenahr, das so belastet ist wie das zwischen Köln und Düsseldorf, Mainz und Wiesbaden und vielleicht auch Sinzig und Remagen? Der Verein zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig wollte es genau wissen und hatte einen höchst kompetenten  Vortragenden für sein „Turmgespräch im Schloss“ eingeladen: Hans-Georg Klein, früher Schulrektor in Ahrweiler und seit jeher befasst mit der Historie von Bad Neuenahr und Ahrweiler. Die Auflösung seines Vortragstitels „Von Lehmhöck onn Schinnebröde“ hatte er sich dabei bis zum Schluss aufgespart, zu Beginn hätten die zahlreich erschienene Zuhörer sie wohl auch gar nicht verstanden.
Klein stieg erst einmal in die Historie ein. Die lang gehegte und gepflegte Rivalität der beiden heutigen Teile innerhalb der „Bindestrich-Stadt“ nimmt ihren Anfang wohl in einem Streit im 14. Jahrhundert zwischen der  Herrschaft auf der Burg Neuenahr und dem für Ahrweiler zuständigen Erzbistum Köln. Demnach war von der Burg Neuenahr eine Willkürherrschaft ausgegangen, die auch die kurkölnische Mithauptstadt Ahrweiler bedrängte. Es folgten ein kurzer Feldzug und die Zerstörung der Burg. Hatte nun Ahrweiler die Dörfer Beul, Hemmessen und Wadenheim – die Vorläufer des späteren Bad Neuenahr – von üblen Herren befreit oder hatten sie einfach nur deren schöne Burg zerstört? Es folgten Jahrhunderte des Streites und der Scharmützel, ausgetragen vor den Gerichten, mit Schlägereien und sogar kriegerischen Kurzeinsätzen. Immer wieder gaben Fragen der korrekten Grenzziehung Anlass zu solchen Aktionen. Und wenn dann auch noch eine Kuh in der Nähe der Grenzsteine graste, drohte der nächste Kleinkrieg…. Klein erläuterte dazu eine sehr seltene und wertvolle Karte von 1523 aus dem Archiv der Fürsten von Arenberg.
Vor diesem Hintergrund ärgert es manche Ur-Ahrweiler noch bis heute, dass ausgerechnet ein Ahrweiler Bürger, Georg Kreuzberg, den drei ungeliebten Dörfer zum ungeahnten Aufstieg verhalf. Der clevere Geschäftsmann erwarb einen „Weinberg mit Quellenverdacht“ (Klein) und fand dort tatsächlich die Heilquelle des späteren Bad Neuenahr (gegründet 1875). Statt Rindviechern hatten die Neu-Neuenahrer nun Kurgäste, stellte man in Ahrweiler missmutig fest. Die Frontlinie verwischten ein wenig, denn bis dahin hatte der Streit auch davon gelebt, dass auf der einen Seite Bauern und auf der anderen Städter agierten. Im Stillen ging er aber weiter und entlud sich massiv bei der Namensfindung der per Gesetz verfügten Gebietsreform mit der neuen Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler 1969. In Ahrweiler missfiel manchen die Nennung ihres Stadtteils an zweiter Stelle. Und heute? Hans-Georg Klein ist zuversichtlich: Neuenahrer  Gästeführer erläutern Ahrweiler und umgekehrt, Ahrweiler Junggesellen haben ihren Kollegen in Bad Neuenahr eine historische Fahne geschenkt – jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört, es ergänzt sich, was dem jeweils anderen fehlt.
Was war nun mit der Überschrift des Vortrags? Die Bezeichnungen stammen aus der Überlieferung eines ernsthaften Wettkampfs, wer es an einem Feuer am längsten aushielte. Die einen schützten sich mit einer Lehmschicht gegen die Hitze, die anderen mit Blechschiene. Die schlauen  „Lehmhöck“ waren die Ahrweiler, die weniger schlauen „Schinnebröde“ die Neuenahrer. Oder war es umgekehrt? ? ?
Amüsant bei durchaus ernstem Hintergrund und in allen Punkten sehr detailreich war der Vortrag und gab Stoff für Fragen und Erkenntnissen aus dem Publikum, auch zum Verhältnis zwischen Sinzig und Remagen. Vorsitzender Karl-Friedrich Amendt dankte Hans-Georg Klein für diesen sehr anregenden Abend und wies auf das nächste Turmgespräch hin, am 23. Mai geht es um Zahlensymbolik („Warum hat der Sinziger Kirchturm acht Ecken?“).

BILDZEILE
Hans-Georg Klein berichtete über die komplizierte Geschichte der „Bindestrich-Stadt“ Bad Neuenahr-Ahrweiler.