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Hospiz-Verein Rhein-Ahr wählt neuen Vorstand

Hingabe für die Hospizarbeit

Mit Hildegard Schneider schied das letzte Gründungsmitglied nach 32 Jahren aus

Der Andrang war groß bei der Jahreshauptversammlung des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr. Das lag nur zum Teil daran, dass ein neuer Vorstand gewählt wurde. Viele kamen, um sich von der langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden Hildegard Schneider zu verabschieden. Sie hatte vor 32 Jahren den Verein, der heute fast 1400 Mitglieder zählt, mitgegründet und ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied im Vorstand gewesen. „Dein Aufgabenfeld, war immer das Ehrenamt, das keine Aufgabe für dich war, sondern Hingabe“, erklärt die Vereinsvorsitzende Ulrike Dobrowolny direkt an ihre langjährige Stellvertreterin gewandt: „Dein unermesslicher Erfahrungsschatz aus deiner langen beruflichen Tätigkeit und deine Kompetenzen aus 18 Jahren Pflegedienstleistung im Krankenhaus Maria Hilf waren für den Verein ein großartiger Gewinn.
Seit 2009 agierte das Vorstandsduo Hand in Hand. „Wir beide zusammen waren ein Dreamteam: Du Innenministerin, ich Außenministerin und das, obwohl wir uns vor meinem Eintritt in den Vorstand nicht gekannt hatten“, so Dobrowolny weiter. Sie attestierte Schneider, Sachverstand, Zugewandheit, Geduld und Freude an ihrer Tätigkeit. Außerdem überreichte sie Schneider, die bereits 2018 mit der Landesverdienstmedaille ausgezeichnet wurde, die Urkunde der Ehrenvorsitzenden des Vereins.
Der Weg war sehr steinig“, erinnerte sich Hildegard Schneider. Gerade in den Anfängen seien sie und die anderen Gründungsmitglieder des Vereins – darunter die 2008 verstorbene Hanneliese Langmann und der Sinziger Axel Enke – als „Psychos“ abgetan worden, weil sie die Bedingungen für Sterbende auch im Krankenhaus verbessern und das Lebensende menschenwürdiger gestalten wollten. Schneider gab den Dank, der ihr entgegengebracht wurde, zudem weiter an die hauptamtlichen Hospizschwestern sowie vor allem auch die ehrenamtlichen Hospizbegleiter des Verein, denen immer ihr besonderes Augenmerk gegolten hatte: „Ihr seid enorm, was ihr leistet in eurer Freizeit, wie ihr Schwerkranke und deren Angehörige begleitet.
76 aktive ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Begleiter haben im vergangenen Jahr 3070 Stunden ihrer Zeit geschenkt und sind insgesamt 18639 Kilometer gefahren um bei 1365 Besuchen Menschen zu Hause, in Pflegeeinrichtungen und im stationären Hospiz im Ahrtal beizustehen, wie die hauptamtliche Mitarbeiterin Sabine Heller anführte. Dazu seien von vier hauptamtlichen Koordinatorinnen 251 Menschen begleitet worden. 49117 Kilometer legten diese insgesamt zurück für die psychosoziale Begleitung und palliativ-pflegerische Beratung im gesamten Kreis Ahrweiler.
Im stationären Hospiz im Ahrtal sind im vergangenen Jahr 86 Menschen am Lebensende aufgenommen worden, so Hospizleiterin Gabriele Ruggera. Die Auslastung der zehn Betten sei mit 96 Prozent sehr hoch, ebenso die durchschnittliche Verweildauer von 38 Tagen. Groß ist mit 224 auch die Zahl der Patienten, die das elfköpfige Team der „Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung“ (SAPV) in 2023 zu Hause begleitet hat. Ruggera: „Die Zahl stieg von Monat zu Monat“.
Um den Bürgern im Kreis Ahrweiler die Unsicherheit im Umgang mit Sterbenden zu nehmen und das Wissen um die Sterbebegleitung, das die Menschen früher noch hatten, wieder mehr in der Gesellschaft zu verankern, bietet der Verein seit einiger Zeit „Letzte Hilfe“ Kurse an. Die bisher sieben Kurse seien allesamt ausgebucht gewesen, sagte Vorstandsmitglied Dr. Liesel Albrecht. Von den seit nunmehr 20 Jahren bestehenden Trauertreffs des Vereins, die aktuell morgens sowie nachmittags angeboten werden, berichtete Berta Bauer. In Zeiten von Corona und Hochwasser, das dabei immer wieder Thema sei, sei die Trauerarbeit „eine wirkliche Herausforderung“. Dennoch seien in 2023 insgesamt 175 Stunden Trauerarbeit geleistet und von 36 Personen in Anspruch genommen worden.
Schriftführerin Monika Lessenich verwies darauf, dass nach langer Zeit wieder eine Ausstellung in den Räumen des Hospizes zu sehen ist und, dass die Adenauer Zweigstelle des Vereins modernisiert werden soll, um die Menschen an der oberen Ahr besser zu informieren. „Ein solides finanzielles Polster“ bescheinigte dem Verein Schatzmeisterin Claudia Steinheuer. Unter anderem die Mittel aus zwei Erbschaften aus dem Jahr 2023 sollen nicht zur Vermögensbildung sondern den Vereinszwecken und damit der Allgemeinheit dienen. Speziell nannte Ulrike Dobrowolny das Ziel, die ambulante Arbeit im Kreis Ahrweiler in einem Gebäude respektive einem Zentrum sichtbar zu machen, in dem der Hospiz-Verein Rhein-Ahr, die SAPV und ein Tageshospiz mit angeschlossenem Trauerzentrum sowie weitere Anbieter im Sinne einer „Caring Community“ Platz finden sollen.
Die Vorstandswahlen liefen sehr harmonisch ab. Für die kommenden drei Jahre wurden die Vorsitzende Ulrike Dobrowolny, als Schriftführerin Monika Lessenich und die Beisitzerinnen Berta Bauer und Dr. Liesel Alberecht wiedergewählt. Neue Stellvertretende Vorsitzende anstelle der ausgeschiedenen Hildegard Schneider ist Dr. Elisabeth-Sous-Braun. Claudia Steinheuer trat aus beruflichen Gründen für das Amt der Schatzeisterin nicht mehr an, wird dem Verein aber als Beisitzerin erhalten bleiben. Neue Schatzmeisterin ist Gerlinde Liefke-Schmidt. Die Kasse prüfen künftig Rosemarie Pante und Daniel Röber. Geehrt wurden zudem Ulrike Dobrowolny für 15 Jahre im Vorstand und für ihre Vereinszugehörigkeit Klara Rauwald (25 Jahre) und Christel Kirchhoff (15 Jahre).
Zum Abschied für Hildegard Schneider sang Hospiz-Botschafter, Musiker und Grafiker Stephan Maria Glöckner für Hildegard Schneider live ein „Tschüss, Tschau, Auf Widersehen“, bevor der verdienten Vize des Vereins viele Mitstreiter, Freunde und Wegbegleiter beim Empfang im Anschluss an die Mitgliederversammlung auch nochmal persönlich ihre Aufwartung machten.

Pressemeldung Hospiz-Verein Rhein-Ahr
Fotos: Hospiz-Verein Rhein-Ahr

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