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PikoPark – Grüne Oase mitten in Sinzig

Sinziger Verwaltung erwartet sich positive Effekte für das Innenstadt-Klima

Planungen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2024 beginnen –
Bürgerschaft wird an der Gestaltung beteiligt

Sinzig. Jetzt soll alles möglichst schnell gehen: Nachdem der vielleicht größte Schandfleck der Innenstadt, die Bauruine in der Bachovenstraße unweit des Kirchplatzes, endlich verschwunden ist, soll die Fläche jetzt in einen sogenannten Pikopark verwandelt werden. Diesem Plan hat der Sinziger Stadtrat jüngst mit äußerst knapper Mehrheit zugestimmt. Jetzt gibt die Verwaltung Gas: Die Verwandlung des Geländes in einen naturnahe Erholungsraum mitten in der Stadt soll demnach möglichst rasch beginnen. Der Förderantrag wird gerade erarbeitet. Sobald er bewilligt ist, sollen zeitnah die Planungen anlaufen. “Es ist damit zu rechnen, dass dies in der zweiten Jahreshälfte 2024 nach der Sommerpause bereits der Fall ist“, erklärte die Stadtverwaltung auf Anfrage des Rhein-Ahr Anzeigers. Dann sollen die Arbeiten möglichst binnen 24 Monaten vollendet sein – eine einmalige Verlängerung ist allerdings noch möglich.
Bekanntlich hat die Stadt die hässliche Ruine, die seit vielen Jahren für Ärger in der Bürgerschaft sorgt, vor Kurzem aufgekauft und das Gebäude bereits beseitigen lassen. Einst hatte der Eigentümer dort selbst ein Bauprojekt geplant und Teile bereits abgerissen. Allerdings sorgte dann dem Vernehmen nach ein Streit um Fördergelder aus früheren Töpfen der Stadtentwicklung für nachhaltigen Zwist zwischen Eigentümer und Stadt. Das Ergebnis: Stillstand. Außer den notdürftigsten Sicherungsmaßnahmen tat sich sehr zum Ärger der Sinziger Bürger viele Jahre lang gar nichts mehr. Zurück blieb eine städtebauliche Situation, für die man sich vor Sinziger Gästen regelrecht schämen musste.

Schließlich wurde das Gelände samt Gebäude der Stadt vom vorherigen Eigentümer zum Verkauf angeboten. “Da die Bauruinen seit Jahren für Unmut sorgten, hat die Stadt nach Beschluss im Stadtrat die Chance genutzt und das Areal erworben“, teilte die Stadtverwaltung mit. Voraussetzung dafür war die Förderkulisse des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts ISEK mit 70 Prozent der förderfähigen Kosten.
Jetzt soll also an besagter zentraler Stelle ein rund 350 Quadratmeter großer PikoPark entstehen. Was genau steckt hinter dem Konzept? Diese Parks zeichnen sich nach Angaben der Stadt  dadurch aus, dass sie auf kleiner Fläche eine große Bandbreite an Begegnungsmöglichkeiten in naturnahem Raum ermöglichen. Damit steige nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern es werde auch die Biodiversität erhöht. “Durch die naturnahe Entwicklung entstehen Rückzugsmöglichkeiten für Vögel, Igel und weitere Tierarten“, erklärte die Stadt auf Anfrage. Und mit Blick auf den Klimawandel heißt es weiter: “In der Innenstadt, nahe dem Kirchplatz gelegen, stellt ein solcher Park insbesondere in den warmen Sommermonaten eine willkommene Möglichkeit zum Aufenthalt an einem schattigen, ruhigen Ort im unmittelbaren Stadtzentrum dar.” 

Bürgerschaft wird an der Gestaltung beteiligt

Das Konzept klingt vielversprechend: Neben Bäumen, Sträuchern, Hecken und Kräutern könnten Wasserspiele und Brunnen, Sitzgelegenheiten und Spielmöglichkeiten für Kinder eingeplant werden. Um förderfähig zu sein, müssen außerdem 80 Prozent der Fläche unversiegelt bleiben und naturnahe Parkflächen gewährleistet sein.  In die Gestaltung des PikoParks sollen “zu gegebener Zeit” auch die Bürgerinnen und Bürger Sinzigs eingebunden werden, unter anderem mit einem Beteiligungsworkshop. Danach wird die Fläche von Profis geplant und angelegt. Die Umsetzung soll dann wieder gemeinsam mit der Bürgerschaft erfolgen. In den vergangenen Monaten hätten “die unterschiedlichsten Projekte gezeigt, dass es eine stärker werdende Bereitschaft von Seiten der Bürgerinnen und Bürgern gibt, sich an Gemeinschaftsprojekten zu beteiligen”, gab sich die Stadtverwaltung betont optimistisch.

Es soll aber nicht nur bei dem kleinen PikoPark bleiben. “Laut Stadtratsbeschluss wird von Seiten der Stadt ein zweiter Förderantrag auf Aufwertung der angrenzenden Grünfläche „Im Allen“ gestellt, so dass sich perspektivisch eine zusammenhängende Parkfläche in der Innenstadt von etwa 1150 Quadratmetern ergeben könnte“, erklärte die Verwaltung. Dabei sollen jedoch sollen die bestehenden Elemente wie Bäume, Bänke und Beete weitestgehend bestehen bleiben.

Auch für die angrenzende Pizzeria „Piccolo“ ändert sich die Situation nach Ansicht der Stadt zum Besseren. Der Außenbereich der Pizzeria werde durch die Einrichtung eines angrenzenden Parks aufgewertet, da die Gäste dann nicht mehr vor einer Abbruchruine sitzen müssten. “Bezüglich des Außenbereichs laufen bereits Abstimmungen mit der Eigentümerin des Gebäudes, so dass sich hier sicherlich eine gute Lösung finden wird“, heißt es seitens der Verwaltung. Zum baulichen Umfeld des geplanten Piko-Parks fänden ebenfalls bereits direkte Abstimmungen mit den Eigentümern statt. Derzeit sind kahle Ziegelsteinmauern und Hinterhof-Flair an den angrenzenden Gebäuden für einen Park keine Augenweide. “Die Förderkulisse werde diesbezüglich noch abgestimmt“, teilte die Verwaltung mit.

Allerdings: Eine solche Baulücke in einer bislang geschlossenen Häuserzeile, wie sie der PikoPark reißen wird, ist recht ungewöhnlich. Auch im Stadtrat gab es daran Kritik, vor allem der Grüne Klaus Hahn pochte darauf, die Lücke in der Häuserzeile wieder zu schließen. Nach Meinung der Stadt jedoch trägt “die Einrichtung von Orten, die zur Begegnung einladen, zur Belebung der Innenstadt bei und ist damit auch aus städtebaulicher Sicht zu begrüßen und ein sichtbares Zeichen von moderner Stadtentwicklung“. Von Seiten des Klimaanpassungsmanagements bedeuten Lücken in der Bebauung demnach auch Chancen für Windkorridore, in diesem Fall für eine Frischluftschneise in Richtung Kirchplatz. Bei immer stärker steigenden Temperaturen im Sommer verspricht man sich hier so einen Kühlungseffekt. “Die Stadt Sinzig hatte sich im vergangenen Jahr dazu entschlossen, die Klimaanpassung im Stadtgebiet voranzutreiben – dies ist nun das erste große Projekt, das umgesetzt werden soll“, erklärte die Verwaltung.
Der Kauf der Gebäude und des Grundstücks mit Hilfe von ISEK-Fördermitteln habe zudem zur Folge, dass eine öffentliche Nachnutzung der Fläche zwingend notwendig sei: “Der Weiterverkauf zur Errichtung von Wohngebäuden würde eine Rückabwicklung der Förderung und den weitestgehenden Verlust der ISEK-Fördergelder bedeuten.” ISEK-Fördergelder, die die Stadt Sinzig beantragt habe, könnten auch nur für städtische Projekte eingesetzt werden. 

Private Antragsteller müssen sich hingegen noch etwas gedulden. Die Förderung zum Beispiel von nachhaltigen Instandsetzungen von privaten Gebäuden werde zukünftig über das ISEK möglich sein. Hierzu bedürfe es aber zunächst die Erarbeitung einer Gestaltungssatzung, die die Grundlage für private Fördermaßnahmen sein wird. “Mit den Arbeiten zur Erstellung einer solchen Satzung wird in dieser Woche begonnen, eine Beratung in den Gremien erfolgt nach der Sommerpause”, hieß es abschließend aus dem Sinziger Rathaus.

MR
Titelfoto: Achim Gottschalk, allgrafics

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