Sinziger Denkmalfreunde auf den Spuren von Vincenz Statz

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Sinziger Denkmalfreunde ließen sich von Stephan Pauly in Rheinbrohl, Landkern und Münstermaifeld die Baukunst des Vincenz Statz erläutern
Gesamtkunstwerk mit Malerei und herrlichen Fenstern aus der Erbauungszeit: die Landkerner Kirche St. Servatius. Foto: Denkmalverein

Auf den Spuren eines inspirierten Architekten

Sinziger Denkmalfreunde auf den Spuren von Vincenz Statz

Sinziger Denkmalfreunde ließen sich von Stephan Pauly in Rheinbrohl, Landkern und Münstermaifeld die Baukunst des Vincenz Statz erläutern

Sinzig. Dass der Architekt Vincenz Statz das Sinziger Schloss Sinzig entworfen hat, war für den Förderverein der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig, der  dort seinen Vereinssitz hat, ein Grund mehr, eine Exkursion auf den Spuren des ohnehin bedeutenden Baumeisters der Neugotik anzubieten. Ein sehr interessierter Teilnehmerkreis fand sich zusammen, um mit Kirchenkenner und Vereinsmitglied Stephan Pauly einige der vielfältigen Spuren von Vincenz Statz in der Region zu erkunden.

Statz, der 1819 in Köln zur Welt kam, hatte eine umfangreiche Ausbildung als Schreiner, Zimmermann und Maurer genossen, bevor er in der Dombauhütte unter Ernst Friedrich Zwirner an den Entwürfen des Kölner Doms mitwirkte. Er war, anders als oft fälschlich behauptet, kein Dombaumeister, sondern königlicher Baumeister, später königlicher Baurat. Das wusste Kunsthistoriker Pauly zu berichten, ebenfalls, dass Statz von sich behauptete, 500 Bauten gingen auf ihn zurück. „121 lassen sich nachweisen, er könnte 500 Entwürfe gemeint haben“, erfuhr die Gruppe über den fleißigen Baumeister.

Größtenteils Kirchen und Kapellen, aber auch profane Bauten, so Pfarrerwohnungen und Krankenhäuser, gehen auf sein Konto. Begeistert war Statz von den Bauformen der Neugotik, denen er sein gesamtes Schaffen widmete. Er war vielfach für den Raum Bonn, Köln und Koblenz tätig und schuf „sein großartigstes Werk“ für die Kirche in Linz an der Donau. Diese realisierte er als Privatarchitekt nach seiner Zeit in der Dombauhütte (1841 bis 1854). Doch auch währenddessen arbeitete er „nebenher“ viel an eigenen Projekten.

Dazu gehört noch die von ihm 1852 entworfene katholischen Pfarrkirche St. Suitbert in Rheinbrohl, welche die Denkmalfreunde zuerst ansteuerten. Sie „gilt als eine seiner besten Bauten“. So urteilten unisono König Friedrich Wilhelm IV. und die Kunstgeschichte. Reich gliederte Statz den mächtigen Westturm, indem er zwei Geschosse quadratischen Grundrisses ein drittes achteckiges Geschoss folgen ließ. Pauly wies auf den Turmhelm hin, der nicht in Schiefer, sondern gemauert ausgeführt wurde. Das Innere der dreischiffigen Basilika veranschaulicht, „dass man der mittelalterlichen Ideenwelt noch eigene Inspiration hinzufügte“. Die Gotik wird in der Neugotik nicht nur neu heraufbeschworen. Findige Baumeister wie Statz zeigten trotz starker Anlehnung an das Mittelalter eine eigene Handschrift, in Rheinbrohl zum Beispiel durch die „Naht“ der Scheidbögen zwischen Haupt- und Seitenschiff. Die detailliert geplanten Kirchen stellten einschließlich ihrer Ausstattung Gesamtkunstwerke dar. In St. Suitbert verzichtete der Architekt auf das Mittelfenster im Chor, damit der filigrane Altar besser zur Geltung kam.

Kritiker hielten die Kirche für zu dunkel. Vermutlich deshalb enthielt Statz‘ Bauplan des Neubaus von St. Servatius in Landkern (Kreis Cochem-Zell), errichtet 1859 bis 1862, höhere Obergaden, die größere Fenster erlaubten. Speziell an der Kirche ist ihr seitlich erweiterter Chor. Insgesamt attestierte Pauly dem Rheinbrohler Gotteshaus die innovativere architektonische Qualität. „Aber Landkern mit seiner Originalausmalung mit nachgemachtem Mauerwerk, den Disteln in den Gewölbezwickeln und seinen herrlichen Fenstern im Gesamterscheinungsbild schöner“, räumt er ein. Als Beispiel für die zahlreichen Kirchen-Ausstattungen, die zum Schaffensspektrum des umtriebigen Architekten zählten, führte die dritte Station der Exkursion nach Münstermaifeld in die ehemalige Stiftskirche St. Martin und St. Severus. Bemerkenswert sind Chor und Querschiff mit romanischen und das Langhaus mit gotischen Elementen sowie das imposante Westwerk. Doch interessierte die Besucher besonders die neugotische Kanzel von Statz. Pauly wies mit Blick auf das Architektur-Maßwerk der Kanzel-Treppe darauf hin, wie kreativ der Baumeister die gotischen Formen einsetzte.

Foto und Text Denkmalverein Sinzig