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Andres Schmuck

Hochschule im Austausch zu demokratischen Werten mit Bevölkerung und Studierenden

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[Koblenz/Remagen] Interessierte Bürgerinnen und Bürger konnten im November am Remagener Campus der Hochschule Koblenz an öffentlichen Veranstaltungen in der Themenwoche „SpeakUp“ teilnehmen. Mit der Themenwoche diskutiert die Hochschule seit 2015 einmal jährlich aktuelle Fragen im Zusammenhang mit demokratischen Werten. Neben einem von der AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) organisierten Poetryslam gab es in diesem Jahr auch einen Vortrag von Dr. Inka Engel der Universität Koblenz und Peter Erwin Jansen M.A. aus dem Fachbereich Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz.
Die beiden Vortragenden berichteten von ihrem aktuellen Forschungsprojekt „Bürgerwissenschaftliche Erforschung der Familiengeschichte von Einheimischen und Migrant:innen und ihr Verhältnis zur NS-Geschichte“, das vom rheinland-pfälzischen Landtag in Auftrag gegeben wurde. Die Projektgruppe hat das Forschungsvorhaben mit dem Hashtag „weitergedenken“ versehen, der dazu aufruft, die Erinnerung lebendig zu halten. Das Projekt soll weiterhin dazu beitragen, durch eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus Geschichtsbewusstsein zu stärken, politische Bildung zu fördern und damit einen aktiven Beitrag zur Stärkung der Demokratie zu leisten.
Im Fokus der Erforschung stehen aber nicht nur Familien in Rheinland-Pfalz, die die NS-Zeit erlebt haben, sondern auch junge Menschen aus zugewanderten Familien in Rheinland-Pfalz. Hat die NS-Geschichte eine Bedeutung für sie und was bedeutet diese Geschichte für ihre eigene Zukunft in Deutschland?
Ein erstes Stimmungsbild zur Thematik wurde durch einen Onlinefragebogen erfasst. Dabei wurden über 400 Fragebögen von Bürgerinnen und Bürgern aus Rheinland-Pfalz ausgewertet. Bei der Frage nach der Wichtigkeit des Holocaust für die eigene Familie und die eigene Zukunft empfanden die Älteren das Thema als „wichtig“ beziehungsweise „sehr wichtig“ „Je jünger allerdings die Befragten wurden, umso weniger hat man eine zukünftige Relevanz dieses Erlebnisses für sich selbst und die eigene Familie gesehen“, berichtete Dr. Inka Engel von der Universität Koblenz.
Mit dieser Erkenntnis sind die Forschenden im März 2023 in die Interviews mit zehn jüdischen, deutschen und internationalen Familien im städtischen sowie ländlichen Raum zu ihren Familiengeschichten gestartet. Die qualitativen Interwies wurden innerhalb dieser Familien mit unterschiedlichen Generationen geführt. Peter-Erwin Jansen stellte im Laufe des Abends erste Interviewergebnisse vor: „Zusammenfassend berichtet die Kriegsgeneration eher von den eigenen persönlichen Kriegserlebnissen, wie Hunger und Zerstörung und Sorge um die Kinder. Die Nachkriegsgeneration, die ab 1960 geborenen, hat von den Eltern fast gar nichts über Kriegszeit erfahren. Die Enkelgeneration wiederum, die ihr Wissen über den Holocaust und das NS-Regime zum Beispiel durch die Schule erlangten, sind dann wieder direkt mit ihren Fragen an die Großeltern herangetreten“, verdeutlicht Jansen die Aussparung der Nachkriegsgeneration an den Familienerinnerungen der NS-Zeit.
Eine Wanderausstellung mit Audioaufnahmen der Interviews, Erinnerungsgegenständen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und deren Geschichten wird im Sommer des kommenden Jahres eröffnet und schließt das Projekt ab.
Peter Erwin Jansen lehrt Philosophie, Geschichte der sozialen Bewegungen, soziale Gerechtigkeit und Ethik an der Fachhochschule Koblenz im Fachbereich Sozialwissenschaften. Er studierte an der Goethe-Universität in Frankfurt. Jansen ist einer der Gründungsmitglieder der Internationalen Herbert-Marcuse-Gesellschaft (IHMS), einer sozialen Organisation, die sich in der Tradition der Frankfurter Kritischen Theorie mit den gesellschaftlichen Konflikten im global gewordenen Kapitalismus und seinen aktuellen Auswirkungen auf die Länder des Südens auseinandersetzt.
Dr. Inka Engel arbeitet in der Transferstelle der Universität Koblenz und ist als Forscherin im Bereich Innovation und Holocaust Communication tätig. Sie promovierte an der Universität Koblenz-Landau im Fachbereich Erziehungswissenschaften. Eines ihrer aktuellen Forschungsprojekte ist die Erinnerungskultur an die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs, speziell auch mit geflüchteten Überlebenden des Holocaust aus der Ukraine. Ihr wissenschaftliches Engagement gilt auch den Projekten, die unter dem Titel Demokratie Leben gefördert werden.

Pressemeldung Rhein-Ahr Campus
Foto: Archiv

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