Studienreise der VHS Remagen führte in die „Goldene Stadt“

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Studienreise der VHS Remagen führte in die „Goldene Stadt“
Die Remagener VHS-Reisegruppe vor der Karlsbrücke mit Hradschin und St.-Veits-Dom im Hintergrund.

Prag in drei Tagen erkundet

Studienreise der VHS Remagen führte in die „Goldene Stadt“

REMAGEN/PRAG. In die an der Moldau gelegenen Kulturmetropole Prag führte jüngst eine von der Volkshochschule Remagen durchgeführte dreitägige Studienreise. Aus gutem Grund gehört die historische Hauptstadt Böhmens seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe, zeigt sie doch heute ein geschlossenes, von Gotik und Barock geprägtes Stadtbild. Dabei zählt die Hauptstadt Tschechiens mit jährlich über fünf Millionen ausländischen Besuchern zu den zehn meistbesuchten Städten Europas. Schon frühmorgens begann für die Gruppe mit den Reisebegleitern Wolfgang Proft und Klaus Brück die Anreise über Frankfurt, Würzburg, Nürnberg und Amberg. Nach einer Mittagspause ging es weiter über den Grenzübergang im oberpfälzischen Waidhaus und das westböhmische Pilsen nach Prag. Dort begegneten die Besucher einem echten Kenner der geschichtsträchtigen Stadt. Dem in Remagen lebenden  Pastor im Ruhestand Gerhard Hensel nämlich, der annähernd 20 Jahre als Dechant im ehemaligen Dekanat Remagen wirkte. Er leitete am Abend eine beeindruckende Nachtführung durch die wunderschön illuminierte Altstadt.

 

Stadtbesichtigung von Altstadt bis Kleinseite

Gleich nach dem Frühstück lernten am nächsten Tag die Teilnehmer Prag im Rahmen einer Stadtbesichtigung unter sachkundiger Führung kennen. Sie sahen mit der Pariser Straße die luxuriöseste Einkaufsmeile der „Stadt der hundert Türme“ und den Jüdischen Friedhof, den es seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gibt. Trotz seiner kleinen Fläche von etwa einem Hektar, so erfuhren die staunenden Gäste aus der Römerstadt, enthält er über 12.000 Grabsteine und vermutlich die Gebeine von 100.000 Menschen, die – aus Platzmangel – hier in bis zu 12 Schichten bestattet wurden. Auch dem Marktplatz und dem Rathaus wurde an diesem Tag ein Besuch abgestattet. Hier bewunderten und bestaunten die Teilnehmer der VHS-Studienreise die bunten Barockgebäude, gotische Kirchen und die mittelalterliche astronomische Uhr, an der zu jeder vollen Stunde ein animiertes Glockenspiel zu erleben ist.

Anschließend führte der Weg entlang der Moldau zur im 14. Jahrhundert erbauten Karlsbrücke, einem weltbekannten Wahrzeichen der Stadt. Mit 16 Bögen, so erfuhren die Besucher aus Remagen, wurde das 516 Meter lange und rund 10 Meter breite Bauwerk errichtet. Der Überlieferung nach, so vernahm man schmunzelnd, sei der Mörtel seinerzeit mit Eiern angereichert worden, um die Stabilität zu erhöhen, was allerdings nach wissenschaftlichen Materialanalysen anlässlich der Rekonstruktion im Jahr 2008 widersprüchlich beantwortet wurde. Die Beimischung von Quark und Wein als „römischer Mörtel“ konnte indes nachgewiesen werden.

Vorbei an den Statuen katholischer Heiliger ging es schließlich über die Moldau zur unterhalb der Burg gelegenen Prager Kleinseite mit der im gotischen Stil erbauten Kirche St. Nikolaus aus dem 13. Jahrhundert und zahlreichen barocken Adelspalästen und Bürgerhäusern. Die, so die Erläuterung der kundigen Reiseleitung, seien nach mehreren verheerenden Bränden in diesem ehemals eigenständigen Städtchen von Adeligen und Reichen hier errichtet worden.

Am Nachmittag gab es noch eine Panorama-Schifffahrt auf der Moldau, bevor den Teilnehmern der Rest dieses beeindruckenden, aber auch recht anstrengenden Tages zur freien Verfügung stand.

 

Der Burgberg mit (fast) allen Facetten

Unverzichtbar für jeden Besucher der Moldau-Metropole: der Hradschin (Burgberg). Aus nachvollziehbaren Gründen zieren Türme und Mauer des größten geschlossenen Burgareals der Welt seit Jahrhunderten das Stadtwappen Prags. Und die Reiseleiterin hatte am dritten Tag dieser Studienreise einiges zu tun. Nicht nur Erläuterungen zu Architektur, Historie und Geschehnissen gab sie, sondern beantwortete auch geduldsam Fragen der Gäste, die einmal mehr ein immenses Programm absolvierten. So erfuhr man zum Beispiel, dass es sich beim dreischiffigen St. Veits-Dom um das größte Kirchengebäude Tschechiens handelt, dessen Neubau im 14. Jahrhundert vorwiegend nach dem Vorbild der französischen Königskathedralen, zunächst jedoch nur bis zum 3. Stock in gotischer Bauweise, erfolgte. Der Chor eines der ersten Gebäude mit Parallelrippengewölbe, der Turmaufsatz im 19. Jahrhundert im Stil der Renaissance verändert, erfolgte nach mehreren Bauunterbrechungen die endgültige Fertigstellung erst im Jahr 1929. „Das Geläut des Doms“, so die Reiseleiterin, „umfasst sieben Kirchenglocken. Die Größte heißt Sigismundglocke, ist die größte ihrer Art in Tschechien und wird durch vier Personen von Hand geläutet“.

Durch eine nicht nachvollziehbare Änderung der eigentlich vorgesehenen Öffnungszeiten konnten die Besucher leider das Innere des Gotteshauses mit seiner überaus reichen Ausstattung nicht bewundern. So blieb ihnen ebenfalls der Zugang zur mit Halbedelsteinen und vergoldetem Stuck ausgekleideten Wenzelskapelle versagt und auch das Mausoleum der Habsburger aus dem 16. Jahrhundert war an diesem Tag nicht zu besichtigen. Im unmittelbar benachbarten Königspalast, bis ins 16. Jahrhundert Herrschersitz der böhmischen Fürsten und Könige, ging es dann aber in den imposanten Vladislavsaal. Unter dem gotischen Netzgewölbe, 62 Meter lang, 16 Meter breit und 13 Meter hoch, wurden Könige gewählt, Sitzungen abgehalten und sogar Ritterturniere veranstaltet. In heutiger Zeit erfolgt in diesem Saal die Vereidigung des tschechischen Präsidenten. Ein eher unspektakulär wirkender Nebenraum stieß auf abermals großes Interesse, nicht nur der Remagener Besucher: In einem Kanzleiraum im Westflügel erfuhr man, dass aus dem Fenster dieses kleinen Sitzungssaales 1618 die kaiserlichen Statthalter in den Burggraben geworfen wurden. Dieser so genannte „Zweite Prager Fenstersturz“ gilt heute als Auslöser für den Beginn des Dreißigjährigen Krieges.

Weitere Programmpunkte an diesem Tag waren Besuche des „Goldenen Gässchens“ mit seinen pittoresken Häuschen, die förmlich an der Wehrmauer kleben und der im 17. Jahrhundert errichteten Loretokapelle, einem Wallfahrtsort der Marienverehrung. Der Rest des Tages stand anschließend zur freien Verfügung, bevor es zum Abschluss ein landestypisches Abendessen in der Altstadt gab und am nächsten Morgen nach dem Frühstück mit reichhaltigen Eindrücken die Heimreise nach Remagen angetreten wurde.

Pressemeldung Stadt Remagen
Foto: VHS Remagen

 

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